Ich war skeptisch. Das Buch wurde in unserer SciFi-Runde von meinem links-ökofreundlichen Kollegen vorgeschlagen und der Name des Buches, ‘A Psalm for the Wild-Built’, liess mich vermuten, wie Roboter im Wald um ein Freudenfeuer tanzen und Kumbaya singen.
Nichtsdestotrotz, der Klappentext des Buchs – Roboter verlassen die Fabriken und entscheiden sich in den Wäldern zu leben – klang spannend. Und tatsächlich erfüllte das Buch meine Erwartungen – übertraf sie sogar!
Nun, versteh mich nicht falsch. Ich hätte von mir selbst gesagt, dass ich links und ökofreundlich eingestellt bin. Was ich nicht mag, wenn mir das Ganze moralapostelisch unter die Nase gerieben wird. Der Titel und der Haarschnitt der Autorin waren Anlass genug, mich glauben zu lassen, dies sei der Fall.
Ich irrte mich. Auch die genderneutrale Bezeichnung des Hauptcharakters, Sibling Dex, der mit they/them adressiert wird, fügt sich nicht nur passend in die Geschichte ein, sondern ist eine wertvolle Ergänzung zur Story. Wie genau, kann ich nicht erzählen ohne zu spoilern. Wer das Buch gelesen hat, weiss wahrscheinlich auf welche Stelle ich anspiele.
Nebst der ulkig amüsanten Begegnung und dem Austausch mit dem Roboter, Mosscap, war ‘A Psalm for the Wild-Built’ auch einfach eine philosophische und seelische Bereicherung. Das Buch lädt zu Beginn:
“For everyone who needs a break”
Das war es. Eine Pause – im Sinne, dass es dich Akzeptanz üben lässt. Im philosophischen Schlagabtausch zwischen Roboter und Mensch hält das Buch dir einen Spiegel vor Augen. Einen Spiegel, der dich schlussendlich nachsichtiger mit dir selbst sein lässt.